Herbstregen peitscht mir ins Gesicht und findet den Weg in den Kragen meiner Jacke, als ich das Café verlasse, in dem ich die vergangenen Stunden gearbeitet habe. Die Menschen um mich herum haben die Köpfe gesenkt und die Schultern hoch gezogen. Jeder will so schnell wie möglich ins Trockene.

Ich auch.

Aber mit einem kleinen Umweg.

Denn an einem Abend, an dem sich der Herbst von seiner unangenehmsten Seite zeigt, muss ich dem was entgegensetzen. Und während ich das denke, weiß ich auch schon, was das sein wird: ein Sauvignon Blanc von der Loire. Dort kommt die Rebsorte her, dort läuft sie zu Hochform auf.

Nur ein paar Schritte entfernt liegt eine kleine Weinhandlung, die mir schon mehrfach empfohlen wurde. Die Nordendquelle. Ein kalter Luftschwall mit Schneeregen schwappt gemeinsam mit mir in den Laden. Ein paar Menschen mit Gläsern in den Händen drehen sich nach mir um und ich fühle mich, als hätte ich mich in einem Gasthaus aus Versehen an den Stammtisch gesetzt. Rechter Hand an der Wand sind einige Fässer angebracht, aus denen man sich seinen italienischen Merlot für 3,95 den Liter abzapfen kann und aus denen sich die Umherstehenden offenbar bedient haben. Der Laden ist so herrlich unprätentiös, das sieht man schon an seiner Webseite.

Der Chef zögert nicht lange, als ich meinen Wunsch äußere. Wir drängen uns an drei Trinkenden vorbei und er zeigt auf zwei Flaschen im Regal: „Einmal Sancerre, der ist eher vulkanisch geprägt und einmal Poully Fumé, der hat eher was rauchiges.“ Ich nehme den bereits gekühlten Poully Fumé und laufe gegen durch den Regen nach Hause.

Kaum stecken die Füße in trockenen Socken, entkorke ich die kühle Flasche. Stachelbeere, etwas Honigmelone, Holundernoten etwas grüne Paprika und frische Gräser in der Nase machen Lust auf mehr. Im Mund hält der Wein genau das, was er in der Nase versprochen hat. Die Raucharomen sind so dezent, dass ich nicht sagen kann, ob ich sie mir nur einbilde. Die Säure pendelt angenehm im mittleren Bereich. Das und die für einen 2013 schon recht ausgeprägte Cremigkeit geben dem Wein einen sehr schönen Trinkfluss – dem man sich dank der nur 12,5 Prozent Alkohol auch hingeben kann.

Ein wunderbarer Wein, den Mylady treffend beschreibt: „Der schmeckt nach Sommer“, sagt sie versonnen und blickt hinaus in heftiger werdenden Herbstregen vor dem Fenster.

Das ist das Weingut: Domaine Chauveau

Das ist der Wein: Pouilly Fumé – La Charmette – 2013

Hier habe ich ihn gekauft: Weinhandlung Nordendquelle

 

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Written by web222

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