Der Schauspieler Dietz-Werner Steck lebt nicht mehr. Eigentlich sollte ich jetzt ein Viertele Trollinger schlotzen.

Dass die Deutsche Presse Agentur eine Eilmeldung verschickt, wenn ein Tatort-Schauspieler stirbt, kommt selten vor. Im Falle von Dietz-Werner tat sie es neulich. Offenbar habe nicht nur ich diesen Mann gern gehabt.
Es war Anfang der Nullerjahren, als ich Steck traf. Damals arbeitete ich bei einer Lokalzeitung in Stuttgart und für eine Serie über prominente Bürger interviewte ich ihn. Sich mit ihm zu verabreden war leicht. Er stand im Telefonbuch, ich rief ihn an und wir vereinbarten einen Termin im Café des Hotels am Schlossgarten in der Nähe des Bahnhofs.

Ich war aufgeregt wie ein kleiner Junge, als ich dort auf ihn wartete. Als Steck eintraf, begrüßten ihn die Kellnerinnen freundlich. Sie kannten ihn, da er dort immer seine Interviews gab. Er bestellte Kaffee und Butterbrezel. Fast zwei Stunden lang unterhielten wir uns über sein Leben, seine Schauspielerei und die Rolle des Bienzle. Es war früh am Morgen und außer uns waren keine anderen Gäste da.

Stecks Äußeres war bieder, rentnergrau und beige waren an diesem Tag die Farben seiner Kleidung. Aber er hatte eine Präsenz, neben der ich mich ganz klein fühlte. Steck war ein grandioser Erzähler, seine Stimme entführte mich in seine Jugend, heimliche Fahrten an die Schauspielschule, zu seiner Lehrerin, die ihm den Namenszusatz „Dietz“ verlieh, weil Werner zu simpel sei und zur Freundschaft zu Felix Huby, dem Journalisten, Drehbuchautor und Erfinder des Bienzle.
Nach dem Interview blieb ich noch eine Weile sitzen. Glücklich und dankbar, weil ich diesem Mann hatte zuhören dürfen.

Der Text, den ich über ihn schrieb, trug damals die Überschrift „Vorwiegend heiter“ und es gibt ihn leider nicht mehr. Nicht in meinem Ordner mit alten Artikeln, nicht mal mehr in den weiten des Internets.

Ein paar Wochen später traf ich Huby und Steck bei einer gemeinsamen Lesung. Beide signierten mir einen Bienzle-Krimi und ich bat den ehemaligen Spiegel- Journalisten Huby, mir etwas hineinzuschreiben, was er einem jungen Kollegen mit auf den Weg geben würde.

„Da muss ich kurz nachdenken“, sagte er und hob sich meine Widmung bis zum Schluss auf. Zuhause schlug ich das Buch auf. Nur wer nicht arbeitet, macht keine Fehler stand da in schwungvoller Schrift.

Daran halte ich mich noch heute und das Buch steht in meinem Arbeitszimmer im Regal.

Jetzt trinke ich was und schaue mir im Netz zwei, drei alte Tatorte mit Bienzle an. Da ich keinen Trollinger im Keller habe, kommt zu diesem sentimentalen Anlass was richtig Feines ins Glas. Wie das Zeug schmeckt, wie es ausgebaut wurde und so weiter, könnt Ihr woanders nachlesen, das hat hier und heute keinen Platz. Nur so viel: Selten einen geileren Merlot im Glas gehabt.

Ade Dietz-Werner, Film ab!

 

Written by web222

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