Gestern war ich mal wieder in der Münchner Innenstadt unterwegs. Ich vermeide das, wann immer möglich. Aber ich brauchte nun mal einen ganz speziellen Schleifstein, denn man darf gewisse Messer nur auf diese und andere nur auf jene Weise schleifen, fragt mich nicht weiter, es ist kompliziert.

Mein Besuch dauerte nur eine halbe Stunde. Aber danach hatte ich unbändige Lust, mir am Abend einen richtig guten und teuren Wein zu öffnen. Was war passiert? In deutschen Innenstädten fordert mich alles Mögliche andauernd dazu auf, irgendetwas zu kaufen, Geld auszugeben für Zeug, das ich nicht brauche. Schon wieder ein neues Handy, T-Shirts für fünf Euro, Filzhüte, Lederhosen, Uhren und so weiter. Ich habe etwas anzuziehen, mein Handy wird es noch die nächsten vier Jahre tun, meine Uhr hoffentlich auch und den ganzen anderen Kram brauche ich nicht zum Leben.

Aber wenn ich mich in der Münchner Kaufingerstraße umschaue, dann habe ich das Gefühl, mit dieser Meinung der einzige Mensch auf der Welt zu sein. Um mich herum ist alles voller Menschen mit Taschen, Tüten und gestressten Gesichtern. Warum nochmal gilt „Shopping“ als Freizeitbeschäftigung?. Das heißt doch nichts anderes, als Geld auszugeben für unnötigen Blödsinn. Die Erklärung liegt in unserem menschlichen Gehirn. Es gibt inzwischen zahlreiche Untersuchungen, die belegen, das Shopping ähnlich wie Drogen wirken.

Na, dann kann ich doch gleich eine richtige Droge nehmen. Alkohol nämlich, den aber in einer höchst exklusiven Form, der eines Champagners nämlich. Den saufe ich dann selbstverständlich nicht alleine, sondern setze mich mit ein paar Menschen zusammen, die mir lieb und teuer sind. Wir trinken zusammen einen, kommen ein bisschen runter, reden, lachen, essen und gehen am Ende des Abends leicht und vergnügt ins Bett. Wenn wir uns vier neue T-Shirts und eine neue Smartphonehülle gekauft haben, tun wir das wohl kaum.

Deshalb mache heute Abend deshalb im Kreise ein paar guter Freunde einen Champagner auf. Und zwar einen, den ich schon lange mal probieren wollte, weil eigentlich jeder eine Meinung zu ihm hat: den von Aldi. Hat mich neulich zwölf Euro nochmalwas gekostet.

Korken auf, ab ins Glas. Perlage sieht gut aus, der Duft ist es auch. Champagnertypische Hefenoten, gelbe Früchte. Richtig sexy ist was anderes, aber schlecht ist das nicht.

Die Tischrunde probiert. Allgemeines Nicken, zustimmendes Brummen, selbst bei den härtesten Kritikern. Sicher: Großes Stoff ist das keiner. Aber der Geschmack ist ausgewogen (netteres Wort für bisschen langweilig), der Abgang leider enorm kurz. Kann man mal machen, muss aber nicht sein. Dann lege ich lieber noch ein paar Euro drauf und habe was Spannendes im Glas.

Denn schließlich mache ich ich mir eh nicht jeden Tag einen Champagner auf, dann kann er auch ruhig ein bisschen mehr kosten als ein Alltagswein.

 

Written by web222

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