Leopold Uibel macht keine Weine für jedermann. Zu abgefahren schmecken sie, zu ungewohnt fühlen sie sich im Mund an. Besuch bei einem ganz Großen.

Also optisch ist das kein Highlight, denke ich, als ich vor dem Tor zum Weingut Uibel in Ziersdorf im westlichen Weinviertel stehe. Ein graues Haus an einer leeren Straße. Hier entsteht also die meiner völlig subjektiven Meinung nach geilste Weinkollektion des Weinviertels. Mindestens.

Klammer auf: Wer auf gewöhnliche Weine steht, der muss jetzt nicht unbedingt weiterlesen…oder halt! Gerade der sollte jetzt weiterlesen!! Denn die Weine von Leopold Uibel sind eine Message aus einer anderen Weinwelt an uns und wir sollten uns zumindest die Zeit nehmen, sie zu hören. Klammer zu.

Handarbeit

Diese Weine beeindrucken nicht durch quietschige Fruchtaromen, diese Weine gefallen nicht vordergründig, dafür sind diese Weine am nächsten Morgen auch nicht vergessen. Leopold macht Weine, die man nicht nur schmeckt – weg von der Frucht, hin zur Würze – sondern die man viel mehr fühlt. Auf der Zunge, am Gaumen, im Körper, im Hirn, im Herz.

Diese Weine sind belebende Elixiere, die den Geist beflügeln, die nicht betrunken machen – ok, irgendwann schon – sondern wach und den Gedanken jene Leichtigkeit verleihen, die sie fliegen lässt.

Leopold zeigt mir seinen „Keller“ – eine schmucklose Halle, in der eine wortkarge Praktikantin aus Geisenheim den Boden wischt. „Das Gebäude haben wir seit 2013“, sagt Leopold. „Der alte war ein richtiger Keller in einer alten Kellergasse. Aber er war zu klein und wir mussten den Wein zu viel herumpumpen. Außerdem kann ich hier alleine arbeiten.“ Nachteil: die Temperatur zu kontrollieren ist schwieriger und die Luftfeuchtigkeit etwas zu niedrig.

Zurück zu den Anfängen. Leopold sieht heute noch ein bisschen so aus, wie es zu seinem früheren Job, ach was: Leben passt. Da saß er in Büros in Wien und machte irgendwas mit Software. Mit seinem Käppi und dem Bart würde er noch immer dorthin passen. Nur die Gummistiefel stören.

Die Eltern hatten aber diese typische Weinviertler Landwirtschaft. 20 Hektar Acker, zwei Hektar Wein. Und wie es manchmal so läuft im Leben…2007 ging bei ihm gerade irgend so ein Projekt zu Ende, er konnte ein paar Flächen dazu kaufen und irgendwoher schlich der Gedanke an, wann, wenn nicht jetzt? So kam’s dass sein Bruder die Äcker übernahm und Leopold den Wein, inzwischen hat er siebeneinhalb Hektar.

Ja, Handarbeit.

„Im Wein kannst du dich ausleben, bist Landwirt, Manager, Designer“, sagt er. Und Leopold sagte sich, wenn er das macht, dann richtig. Er versuchte erst gar nicht, mit dem Strom zu schwimmen, als kleiner Anfänger gehst du da sowieso unter. Er war klein, er war neu und suchte sich von Anfang an Pfade abseits des Mainstreams. Deshalb sein Slogan: Wein für Fortgeschrittene.

Leopold reduzierte im Weingarten die Erträge, ließ die Weine lange auf Maische und Hefe. Er versuchte immer, das Extreme rauszukitzeln, „ich will in meinen Weinen die unterschiedlichen Rebsorten und Lagen schmecken“, sagt er. Und: „Wenn jemand alle meine Veltliner schmecken, dann habe ich was falsch gemacht.“ Dabei geht er auf jeden Wein, jedes Fass individuell ein. Wein, so sagt er, sei zu lebendig um fixe Rezepte zu machen. Wir sitzen in seinem Heurigen und probieren uns einmal quer durchs Sortiment.

Wie schmeckt das alles also? Anders. Das sind Weine, für die Worte nicht genügen. Die muss man schmecken, viel mehr fühlen – erleben! Blick in meine Notizen: Beim „Hundsberg“ einem der Lagenweine, habe ich aufgeschrieben: Dichte, Schmelz, Konzentration, WOW, stoffig.

Klar ist Leopold nicht der günstigste Winzer im Weinviertel. Aber mal ehrlich: Für diesen Stoff ist das immer noch verdammt wenig Geld. Schon die Einstiegsweine machen richtig Freude. Und Leopold und ich sind einer Meinung – lieber weniger und dafür geil.

Irgendwo da unten wachsen sie, die Uibelschen Trauben…

Wer die Weine von Leopold Uibel oder seinen Kollegen aus dem Weinviertel probieren möchte, dem sei folgende Veranstaltung in München empfohlen:

Große Jahrgangspräsentation Weinviertel DAC
Donnerstag, 28. März 2019
TonHalle München, Atelierstraße 24, 81671 München
14 Uhr – 16 Uhr Fachpublikum
16 Uhr – 20 Uhr alle Weinfreunde

Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten gibt es hier.

Written by web222

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