Schlank und wohlgeformt steht sie da, erwartet mich und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil Mylady heute Abend nicht da ist. Den Worten meines Weinhändlers war einfach nicht zu widerstehen. Ich hatte ihn nach einem schönen Burgunder gefragt. „Das Problem an Burgund ist, die Weine sind inzwischen zu teuer. Die Russen kaufen keinen Bordeaux mehr, sie sind weitergezogen.“ Deshalb hätten sich die Preise vom Jahrgang 2007 auf den 2009 nahezu verdoppelt.

Dann ging er zu einem Regal und zog eine Flasche hervor. „Jahrgang 2007. Davon habe ich noch diese eine, das ist Burgund, wie es sein soll. Und der wird so nicht wiederkommen“, sagte er. Missernten und dann diese Preisprobleme…Ich überlegte hin, ich überlegte her. Denn allzu oft haben mich Burgunder der mittleren Preisklasse enttäuscht. Ok, ich will dieses Projekt nicht mit Mittelmaß beginnen, denke ich mir und zahle 28 Euro.

Und nun ist Abend. Und mir gegenüber auf dem Küchentisch steht diese schlanke Burgunderflasche. Entkorkt und ab ins Glas damit. Naja, Pinot Noir macht farblich nie viel her. Bisschen dünn. Bisschen kalt ist er auch, 17 Grad – ja, heute bin ich nerdig und nutze mein Weinthermometer.

Der Geruch ist nicht kräftig, aber tiefgründig. Etwas Tannenwald, ein bisschen Wacholder. Da geht sicher noch mehr, wenn der Wein erst etwas Temperatur hat. Im Mund macht er auch jetzt schon Freude. Frisch und verspielt kommt er daher, hier klingt etwas Mandel an, dort ein wenig Wacholder, Tannennadeln und Heidelbeeren spielen mit rein, sogar ein bisschen Marzipan.

Ein Grad später beginnt er sich zu ändern. Die Beerenaromen treten klarer hervor, Brombeere gesellt sich zur Heidelbeere und ich meine so etwas wie Quitte oder gar Schlehe zu schmecken. Das ist kein lauter Wein, sondern ein sanfter Begleiter dieses sanften Abends. Es ist still, so still in der kleinen Küche. Am Alpenrand wird in den kommenden Nächten der erste Frost der Herbstes erwartet, lese ich in der Zeitung. Passt zu meiner Stimmung.

Nochmal das Thermometer: 19 Grad. Lakritz und Marzipan gesellen sich zu den Beerenfrüchten. Nun ist der Wein seit zwei Stunden offen und zeigt, was er kann. Wunderschöne Komplexität am Gaumen, eine straffe aber nicht dominierende Säure, weiches Tannin.

Wundervoll. Makellos.

Und trotzdem. Es ist nicht mein Wein, dabei kann ich nicht einmal genau sagen, warum eigentlich. Vielleicht ein bisschen zu teuer? Vielleicht ein bisschen zu wenig ausgeprägt im Geschmack? Schade, dass Mylady nicht da ist. Mit ihr hätte ich darüber jetzt gerne geredet. Und morgen ist von diesem Tropfen sicher nichts mehr übrig…

Das ist das Weingut: Domaine Jean-Louis Bachelet (Franzosen und das Internet…)

Das ist der Wein: Pinot-Noir – Gevrey-Chambertin – 2007

Hier habe ich ihn gekauft: Herbig Weinimport

Written by web222

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.