Das hätte ich nicht gedacht. Wo er seinen Burgunder stehen hat, muss der Verkäufer kurz überlegen. Ja, den einen Burgunder, den er im Angebot hat. Er findet sich dann nach kurzer Suche im Regal mit der Überschrift „Weine für besondere Tage“. Da ich bei Jacques‘ Weindepot bin, darf ich probieren.

Bei einem Wein, der knapp 16 Euro kostet eine noble Geste. „Was erwartet mich denn?“, will ich vom Ladeninhaber wissen. „Ehrlich gesagt keine Ahnung“, antwortet dieser. „Ich verkaufe diesen Wein so selten und trinke auch selber kaum Burgunder.“ Warum, will ich wissen. Schließlich zählen die Pinots Noirs von dort zu den besten der Welt. Das sei ja richtig, antwortet er. „Aber zu welchem Preis? Es ist im Burgund sehr schwer, eine bezahlbare und ordentliche Qualität zu finden. Das ist in Bordeaux viel einfacher. Da kann ich dir problemlos für zehn Euro gleich mehrere sehr schöne Weine empfehlen.“

Er schenkt mir ein Glas ein. In der Nase gefällt mir der Mercurey sehr gut, er ist kraftvoll und ausdrucksstark, ein ganzer Korb reifer, roter Früchte und dezente Holznoten harmonieren wunderbar. Im Mund setzt sich das zunächst fort, wenn auch nicht ganz so kraftvoll und nicht ganz so harmonisch. Aber der Abgang, der Abgang…irgendwoher schleicht sich eine enorme Bitternote ein, die mir sämtlichen Spaß verdirbt. Vielleicht würde die mit genug Luft verfliegen? Aber das Risiko will ich nicht eingehen.

»Wenn du unbedingt einen Pinot willst, dann würde ich dir den hier empfehlen«, sagt der Kollege und deutet auf eine Flasche Spätburgunder aus Baden. »Der ist nicht ganz so kraftvoll, aber trotzdem schön. Und er kostet etwa die Hälfte«, sagt er, zieht die Flasche auf und schenkt mir ein. Er hat Recht – es fehlen Druck und Komplexität, hat aber eine schöne und unkomplizierte Frische, schmeckt etwas eindimensional nach roten Früchten. Ich nehme eine Flasche mit.

Und siehe da: des Abends, zu einer Pasta mit Ricotta, Walnüssen und Salbei läuft der Wein zu Hochform auf, erst recht, nachdem er eineinhalb Stunden Luft geschnuppert hat. Wobei Hochform für diesen Wein nicht mehr heißt als: Netter Speisenbegleiter.

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Das ist das Weingut: Weingut Sonnenhof

Das ist der Wein: Pinot Noir – Kaiserstuhl – 2013

Hier habe ich ihn gekauft: Jacqes‘ Weindepot in München-Schwabing

Written by web222

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