Wenn man Hans Setzer so sieht, in dem perfekt sitzenden Sakko und den frisch geputzten Lederschuhen, dann könnte man ihn auf den ersten Blick unterschätzen. Aber nur so lange, bis man seine Weine probiert hat…

Winzer empfangen Journalisten gerne in einer Art Berufsuniform: der Daunenweste. Klar, die ist beim Arbeiten im Weinberg praktisch und vermittelt mir und meinen Kollegen sofort, dass da ein fleißiger, ehrlicher Handwerker vor uns steht. Hans Setzer hingegen ist so makellos gekleidet, dass ich mir sofort underdressed vorkomme, als er mir zur Begrüßung die Hand reicht.

Hans Setzer und die Lieblingsspeise der Rehe im Frühjahr: saftige Triebspitzen.

Seine Schuhe glänzen wie meine, als ich sie gekauft habe und so ein Sakko ziehe ich zu Familienfeiern an – wenn das seine Alltagskleidung ist, was was trägt der Mann eigentlich, wenn er sich schick macht, frage ich mich im Stillen. Setzer wirkt makellos wie ein frisch geputzter Stahltank.

Setzer zählt zu den Besten

Nach makellos klingt auch das, was er mit seinen Weinen macht: Ausbau im Stahltank, auch die Topweine. Wer sich jetzt umdreht und geht, weil im das alles zu banal klingt, der macht einen der größten Fehler, den man im Weinviertel machen kann. Denn Hans Setzer ist einer der besten Winzer und einer der Pioniere in dieser unterschätzten österreichischen Weinregion.

Wir sitzen im Verkostungsraum und probieren uns einmal quer durch das Sortiment. Mit ruhiger Stimme erklärt Setzer seine Weine. Bis auf eine Ausnahme – dazu gleich mehr – macht er alles im Stahltank. Für ihn die beste Art, jeden einzelnen Weingarten in die Flasche zu bekommen. Holz hat da nichts zu suchen. So lässt sich an seinen drei Reserven wunderbar beobachten, was das Terroir ausmacht. Alle drei behandelt er gleich und alle drei schmecken komplett anders. Dabei bleiben sie immer schlank, geradlinig und kühl. „Ich mag nicht diese ‚Las Vegas in the bottle‘ Weine. Wir haben karge Böden und das findet man auch in unseren Weinen wieder“, sagt er.

„Plopp!“ – einen Setzer-Wein zu öffnen ist ein Vergnügen.

Trotzdem juckte es ihn, das mit dem Holz mal auszuprobieren. „Wer ausgelernt hat, ist der erste Verlierer“, sagt Setzer. Und so steht vor uns als letztes eine Burgunderflasche Grüner Veltliner Große Reserve aus dem Jahr 2015. „Ich wollte ein Fass, das dem Grünen Veltliner möglichst viel Grünen Veltliner lässt. Deshalb sollte es aus Akazie und Eiche gemacht sein, damit der Einfluss der Eiche nicht zu stark wird“, sagt er. Er fand tatsächlich einen Fassmacher, der ihm so etwas baute: die Böden aus Akazie, den Rest aus Eiche. Darin vergärte der Wein aus den besten Trauben und lagert im Anschluss für zwölf Monate.

Bei seinen Weinen ist alles stimmig

Ich probiere einen Schluck und finde genau das wieder, was Setzer eben meinte: Ein Grüner Veltliner, der eindeutig Grüner Veltliner ist, nicht zugeholzt, nicht fett, nicht breit sondern vom Holz noch eine Dimension reicher gemacht. Noch ist nicht alles stimmig, noch ist der Wein zu jung. Aber ich bin mir sicher, dass da in vielleicht fünf Jahren großes Kino auf uns zukommt. Ein ungewöhnlicher Setzer-Wein, aber ein sehr spannender

Dass das was er tut, manchmal ungewöhnlich wirkt, ist Setzer gewohnt. Das ging damit los, dass er seinem Vater eines Tages eröffnete, dass er den Familienbetrieb zwar übernehmen, in Zukunft nur noch Wein machen werde. Dazu muss man wissen, dass im Weinviertel gemischtlandwirtschaftliche Betriebe eine lange Tradition haben und es noch immer viele gibt, für die der Wein nur ein Produkt von vielen ist. Das liegt mitunter an der Geografie: An den kühlen Nordhängen der Hügel gedeihen zum Beispiel Getreide und Mais, an den sonnigen Südhängen der Wein. So war es zehn Generationen lang auch bei den Setzers.

Ihnen gehört das Gut seit dem Jahr 1705. Die Familie ist eine Institution im Örtchen Hohenwarth. Und dann kommt der Sprössling daher und hat ganz andere Pläne – da schauten die anderen Landwirte erst mal komisch. Allein schon, dass der junge Hans nach dem Abschluss der Weinbauschule in Klosterneuburg in die Welt hinausfuhr. Gemeinsam mit Uli, dem Mädchen, dass er damals kennengelernt hatte und mit dem er inzwischen seit einem Vierteljahrhundert verheiratet ist. „Meine Eltern sind damals vielleicht mal in die Champagne gefahren“, sagt er. „Aber wir wollten uns anschauen, was die Winzer anderswo machen.“

Von nun an gab es keine Investitionen mehr in die Landwirtschaft, das Geld floss in den Weinbau. „Mein Vater war zwar eher der Landwirt, er hat mir aber Freiheiten gelassen“, sagt Setzer. Als der Senior sich vor 25 Jahren zur Ruhe setzte, verpachtete die Familie ihre Ackerflächen. Damit waren sie die ersten im Ort, inzwischen haben andere nachgezogen.

Aktuell gehören ihnen 15 Hektar selbst, von weiteren 15 kaufen sie die Trauben zu. Die Hälfte ist mit Grünem Veltliner bepflanzt, 15 Prozent mit Rotem Veltliner, der übrigens nicht verwandt ist mit dem Grünen. Zweigelt und Merlot sind mit jeweils zehn Prozent vertreten. Der Rest sind Weißburgunder, Riesling und Chardonnay. „Was Rotes habe ich seit 20 Jahren nicht mehr gepflanzt“, sagt Setzer.

Setzer ist ein stiller Revoluzzer

Eine seiner ersten Ideen als er einstieg, war die dichte Bepflanzung der Weingärten. Damals waren 2.500 Rebstöcke pro Hektar normal, die Setzers pflanzten von Anfang an mindestens 4.000. In einer ihrer besten Lagen stehen sogar 8.000 – die Reserve aus diesem Weinberg heißt auch so. Die Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe zwingt die Wurzeln der Reben in die Tiefe, bis zu 25 Meter reichen sie hinunter. Das ist im Weinviertel und ganz besonders in Hohenwarth ein großer Vorteil. Die Region zählt zu den trockensten Weinbaugebieten überhaupt. Pro Jahr fallen zwischen 300 und 400 Millimeter Niederschlag. Weniger geht nicht. In Hohenwarth kommt die besondere Lage noch dazu. Der Ort liegt auf 400 Metern Meereshöhe und von dort aus geht es in alle Richtungen bergab – das wenige Wasser läuft also auch noch ab.

Diesen Namen sollte man sich merken, wenn man sich auf den Weg ins Weinviertel macht.

In 25 Metern Tiefe finden die Reben aber selbst dann noch Wasser, wenn wie in 2017 in sechs Monaten gerade mal 100 Millimeter fallen. „Nach diesem Jahr sprechen alle von Bewässerung. Ich bin davon kein Freund“, sagt Setzer. „Mit Bewässerung hat man weniger Komplexität im Wein und umweltpolitisch wäre das auch nicht in Ordnung.“

Setzer ist kein Biowinzer, macht sich aber viele Gedanken um das, was er tut. Im Frühling begrünt er jede Reihe in seinen Weingärten mit einer eigens entwickelten Saatmischung. Glyphosat kommt ihm nicht an die Reben, er arbeitet in den steilen Lagen mit einem sanften Herbizid „Jede Handlung, die dem Boden zuwider geht, ist doch ein Schuss ins Knie“, sagt er.

Der Innenhof des Weinguts. Hier ist der Verkostungsraum, wird Wein verkauft und lebt die Familie. Deshalb bleibt das Tor am Sonntag zu.

Zumal die elfte Generation bereits mitarbeitet. Tochter Marie-Theres ist 22 Jahre alt und nach einem Studium in Geisenheim wieder nach Hause zurückgekehrt. Der zwei Jahre jüngere Sohn Eugen ist derzeit auf der Weinbauschule in Krems und wird dann noch ein Jahr Weinmanagement dranhängen. Eines Tages werden die beiden das Weingut übernehmen.

Wir sitzen im Innenhof des Weinguts, die Sonne scheint, das von Uli Setzer gekochte Mittagessen war wundervoll. Ich frage Hans Setzer, ob das das nicht schwierig werden wird, mit bald 47 Jahren etwas loszulassen, der Jugend ihren eigenen Weg und die Fehler zugestehen, die sie sicher machen werden?

„Ich freue mich richtig auf den Input, den die Kinder einbringen“, sagt er. „Ich hoffe auch, das ich offen genug bin für alles.“

Ich wünsche es ihm von Herzen, denn ich mag diesen Mann.

Wer nun Lust bekommen hat, die Weine aus dem Weinviertel mal zu probieren, der hat bei folgenden Veranstaltungen die Möglichkeit dazu: 

Rheingau Gourmet & Wein Festival, 1. bis 3. März 2019
ProWein, 16. – 19. März 2019, Düsseldorf
Weinviertel DAC Jahrgangspräsentation, 28. März 2019, München


Weitere Informationen und Anmeldemöglichkeiten gibt es hier

Written by web222

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