Manchmal gehöre ich zu der Sorte Weintrinker, die von vielen verachtet wird: den Etikettentrinkern. Egal was drin ist, der Name auf der Flasche muss stimmen. In meinem Fall war’s aber kein Petrus oder Biondi-Santi. Der Winzer, der seinen Namen dick aufs Etikett druckt, heißt Jean Geiler. Ich muss gestehen, dass ich den Wein nicht gekauft hätte, hieße der gute Mann Friedhelm Müller.

Geil, so lehrt mich das Internet, geht wohl auf eine indogermanische Wurzel zurück und bedeutet so viel wie aufschäumend, heftig, übermütig, ausgelassen, lustig. Kein schlechter Name für einen Winzer. Den Zusammenhang mit Sex hat das Wort erst seit dem 15. Jahrhundert.

Zur Rettung meiner Ehre sei aber auch gesagt, dass mich der Inhalt ebenfalls interessierte: Ein Riesling aus dem Elsass. Diese Gegend ist spannend, erwachte sie doch erst nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs aus ihrem Dornröschenschlaf. Seitdem keltern dort immer mehr Winzer Spitzenweine, oft aus den Sorten Riesling, Gewürztraminer, Weiß- und Grauburgunder.

Es ist recht warm dort und sehr trocken. Die von Westen anrückenden Regenwolken bleiben fast alle an den Vogesen hängen und regnen sich über Lothringen ab. Dieses Klima lässt die Rieslinge etwas weniger säurebetont werden als die deutschen Vertreter. Außerdem gehen sie beim Geschmack oft etwas in Richtung Aprikose.

Beim Öffnen der Flasche missfällt mir schon mal der billige Plastikkorken. Liebe Winzer, das hat einfach keinen Stil. Ok, für knapp unter acht Euro sollte ich vielleicht nicht zu viel erwarten. Ist auch besser so, denke ich mir nach dem ersten Schluck. Schon lange keinen so uninspirierten Riesling mehr getrunken.

Er duftet noch ganz interessant nach Aprikose und gelbem Apfel, am Gaumen wird’s dann banal. Zu wenig von allem: zu wenig Säure, zu wenig Aromen (bisschen Trockenaprikose und Apfelringe), zu wenig Abgang. Dazu ein leicht muffiger Ton wie von ungelüftetem Keller.

Leider nicht empfehlenswert.

jeangeiler

Das ist das Weingut: Jean Geiler

Das ist der Wein: Jean Geiler – Riesling – Collection Terroirs – 2014

Hier habe ich ihn gekauft: Jacques Weindepot in München-Schwabing

Written by web222

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