„Also die Burgunder bis 100 Euro stehen dort in der Ecke. Die anderen haben wir hinten“, sagt die junge Frau in dem Münchner Feinkostgeschäft und lässt mich stehen. In dem Regal reihen sich prominente Namen aneinander, die Preise beginnen bei knapp über 30 Euro. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Ok, ich bin in einem der bekanntesten Feinkostkosthäuser der Stadt, das nicht für seine günstigen Preise bekannt ist. Dachte mir aber, dass es in so einem Laden auch immer etwas bezahlbares von ordentlicher Qualität geben wird. Ist schließlich gut für den Ruf.

Tief muss ich mich dafür bücken. Ganz unten stehen ein paar Flaschen für knapp über elf Euro. Eine Art Eigenmarke. Ok, vielleicht geht das Experiment doch noch gut. Denn wenn jemand seinen eigenen Namen für ein Produkt hergibt, sollte das was können.

Abends, während die Carbonara auf dem Herd ihrer Vollendung entgegen geht, entkorke ich die Flasche. Im Glas ist der Wein von edler Blässe. Naja, man könnte auch sagen: etwas dünn. Selbst für einen Pinot Noir.
In der Nase ist er schlicht nicht vorhanden, ok, ein dünner Himbeerduft windet sich empor und kitzelt mit Mühe zwei, drei Riechzellen.
Im Mund ist der Wein ähnlich langweilig. Präsente Säure, ein bisschen Himbeere, Schluck und weg.

Mache ich erstmal die Pasta fertig.

Nach einer Viertelstunde etwa beginnt der Wein sich zu öffnen. Der Duft bleibt verhalten, aber zur Himbeere gesellen sich nun ein wenig Kiefernzapfen und Tannennadeln. Der Geschmack bleibt gleich uninspiriert, wenn er auch mit der Zeit etwas runder und gefälliger wird. Zur Carbonara ist der Wein dann doch ganz ok. Trotzdem: aufregend ist was anderes. Und das alles für elf Euro?

Hmmm…

Ein gelungenes Weinerlebnis ist das nicht und meine Begeisterung für Pinot Noir aus dem Burgund hat dieser Abend auch nicht angefacht. Sicher gibt es tolle Tropfen von dort. Aber für welchen Preis? Wenn ich erst jenseits der 30-Euro-Marke Spass haben kann, ist das für mich keiner mehr.

Aber eine Chance bekommt die Region noch, dann wende ich mich erstmal anderen Gegenden zu. In den nächsten Tagen suche ich mal einen der Weinhändler meines Vertrauens auf…

 

Das ist die Winzergenossenschaft: Vignerons d’Ige

Das ist der Wein: Pinot Noir – Bourgogne – 2013

Hier habe ich ihn gekauft: Feinkost Käfer

Written by web222

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