Ist der Einfluss des Glases auf den Wein wirklich so groß? Ich habe den Test gemacht und einen Spitzenwein aus zwei Spitzengläsern getrunken. Das Ergebnis hat sogar mich überrascht.

Gleich mal vorneweg: Dieser Wein ist eine Granate! Wirklich gewundert hat’s mich nicht… Denn letztes Jahr war ich auf Einladung der Chateau Ste. Michelle Wine Estates für ein paar Tage in den USA und durfte einige der zahlreichen Weingüter besuchen, die zu diesem Weingroßkonzern gehören. By the way: Ste. Michelle macht den meistverkauften Riesling der Welt. Muss man auch erst mal hinbekommen. Aber nicht nur das. Es hat bei dem Unternehmen Tradition, ausländische Winzer zu engagieren oder den eigenen Winemakern jede Menge Freiraum zu geben, sie für spezielle Projekte sogar völlig von der Leine zu lassen. Dabei kommen ziemlich geniale Sachen raus.

Nun durfte sich Juan Muñoz-Oca, der Head Winemaker von Columbia Crest ausprobieren. Und er tat Folgendes: Nichts. Neun Monate ließ er einen Cabernet Sauvignon in Kontakt mit dem ganzen Gemisch aus Beeren­schalen, Frucht­fleisch und Trau­ben­kernen. „Wir haben die Maische erst einmal ganz normal vergoren. Dann haben wir alles in Stahltanks versiegelt und abgewartet“, sagt der Argentinier. „Nach einigen Monaten war der Wein recht kompliziert. Ab März wurde es merklich besser und der Wein bekam mehr Tiefgang. Die Textur wurde immer sanfter, die Tannine dabei runder. Und das, obwohl wir die Weine nicht im Holzfass gelagert haben. Durch den langen Maischekontakt schmecken wir im Wein klassische Merkmale, die wir auch durch den Einsatz von Holzfässern bekommen. Aber die typischen Vanilletöne oder Röstaromen bleiben aus.“

Ich habe den Wein bekommen und ein kleines Experiment mit ihm veranstaltet. Letztes Jahr hat mir nämlich die Firma Zieher ein wunderschönes Gläserset mit dem Namen Vision geschickt. Entworfen hat es der Sommelier Silvio Nitzsche, bekannt, fast schon berühmt, durch seine Weinkulturbar in Dresden. Seine Idee war, verschiedene Gläser für verschiedene Weinstile zu gestalten. Also eines für rebsortenrein definierte sowie fruchtige und aromatisch-präsente Rot- und Weißweine, eines für opulente, große Gewächse, kraftvolle Weiß- und Rotweine, rustikale, säurebetonte Weiß- und Rotweine, junge und mittelalte Bordeaux-Weine und noch vier weitere. Sonst fertigen Glashersteller meist spezielle Gläser für Chianti, Bordeaux, Burgund und so weiter. Da für solche Spielereien mein Küchenschrank zu klein und mein Geldbeutel zu schmal ist (schließlich braucht man von jedem Glas mindestens vier Stück, wenn man Besuch nicht mit irgendwas zweitklassigem abfertigen will), nutze ich in der Regel das Gabriel Glas. Das wird allgemein als das beste Universalglas angesehen und ich habe mit ihm sehr gute Erfahrungen gemacht.

Silvio Nitzsche aber schrieb mir: „(Nun sind) Sie nicht mehr dem Dogma eines Glases, wie dem von mir sehr geschätzten „Gabriel-Glas“ unterworfen, sondern können beginnen mit den ihnen nicht so gefallenen Eigenschaften der Weine zu spielen. Sie können den Charakter von Wein und Glas dazu nutzen, sich ein einzigartiges Weinerlebnis intuitiv zu kreieren. Was nichts anderes heißen soll, dass ein Chanel-Kleidchen eigentlich immer und auch zu fast jedem passt, aber es langweilt immer nur einen Kleiderstil zu tragen, wenn man modebewusst und -interessiert ist.“

Also probierte den Intrinsic aus zwei Gläsern: Gabriel Glas und dem Modell Intense von Zieher. Aus meinem Standardglas roch und schmeckte der Tropfen ohne Fehl und Tadel. Tiefgründig, dunkle Frucht, viel Extrakt und so weiter. Aber irgendwas störte mich, so richtig auf Touren kam der Wein nicht. Wie ein Porsche im Stadtverkehr. Dann nahm ich das Intense zur Hand, und schon beim Riechen merkte ich auf. Der Wein war nun viel offener und zugänglicher, dabei noch fruchtbetonter. Ich nahm einen Schluck. Und nun war es, als ließe der Porsche die Stadtgrenzen hinter sich und schnurrte über eine Landstraße. Fantastisch! Nun war der Intrinsic perfekt, ausdrucksstark, balanciert…all diese positiven Adjektive, die man sich für Beschreibungen immer zusammenklaubt, waren hier in einem Schluck vereint. Dass der Unterschied so groß sein würde, damit hatte ich nicht gerechnet.

So werde ich es mit allen Weinen machen, die ich demnächst für den Blog verkoste: Einer kommt ins Gabriel Glas, einer ins passende Modell von Zieher. Und dann schauen wir mal.

Ach ja: Seit kurzem ist der Intrisic auch in Deutschland verfügbar. Und zwar hier.

Written by web222

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